Dokumentation der Fahrwerkeinstellungen

Grundsätzliches zur Setup-Arbeit

Jede Änderung sollte zwingend auf einem Notizpapier, idealerweise in einer vorgefertigten Tabelle, oder auf dem PC dokumentiert werden. Dabei genügt es nicht aufzuschreiben, was geändert wurde; als Beispiel: «Sturz an der Vorderachse -2 Grad». Es sollten immer auch die Auswirkungen der Änderung dokumentiert werden: z. B. «Sturz -2° an der Vorderachse hat das Untersteuern in der Kurvenmitte deutlich verringert, jedoch ist das Einlenken «schwammiger» geworden – die Rundenzeiten haben sich um 0,5 Sekunden verbessert». So ist es mal i.O. Doch was bedeutet die Angabe des Fahrers "schwammiger" genau?... agil? Über- oder Untersteuern?

 

Ganz wichtig: Es wird immer nur ein einziger Parameter am Fahrzeug verändert. Nicht den Sturz an der Vorderachse vergrössern und gleichzeitig die Druckstufe der Dämpfer auch noch um 2 Klicks härter stellen! Im eben genannten Beispiel könnte zwar zu erwarten sein, dass die härtere Druckstufe am vorderen Dämpfer das Einlenkverhalten verbessern sollte, während der Sturz in der Kurvenmitte (Midcorner) das Untersteuern minimiert.

Mit grösster Wahrscheinlichkeit wurden jedoch gerade zwei Überlegungsfehler gemacht:

  1. Die Bereiche Kurvenmitte, Kurveneingang und Kurvenausgang müssen explizit getrennt werden. Zusätzlich muss noch unterschieden werden, ob gerade beschleunigt, gebremst oder «gerollt» wurde (Lastwechsel).
  2. Der Sturz beeinflusst zwar vor allem die Auflage des Reifens in der Kurvenmitte, aber wie schon erwähnt auch das Ein- und Auslenkverhalten. Die härtere Druckstufe wirkt vor allem beim Ein- und Auslenken, verändert aber auch den Grip in der Kurvenmitte, bei Bodenwellen (z.B. durch den Pumpeffekt). Mehr dazu folgt weiter unten.

Schon jetzt wird klar, dass richtige Setup-Arbeit nicht einfach «schnell-schnell» erledigt werden kann. Zudem: In keiner Autowerkstatt und auch in keiner Sportgarage ist man in der Lage, ein Fahrzeug in einem einzigen Durchlauf auf der Lenkgeometrieanlage und der Radlastwaage optimal einzustellen. Dasselbe schafft auch ein Rennteam nicht. Setup-Arbeit bedeutet: Testen, messen, testen und nochmals messen!

 

Nochmals zurück zu unserem Sturz-Beispiel: Wenn jetzt, wie oben verlangt, nur der Sturz an der Vorderachse auf -2° erhöht wurde, der Fahrer danach berichtet hat, welche Auswirkungen die Veränderung hatten, und die Dokumentation dazu gemacht wurde, wird der Sturz nochmals zurückgestellt und getestet, ob die Veränderung des Sturzes wirklich für die dokumentierte Auswirkung verantwortlich ist (unter Umständen ist dies ermüdend, jedoch der einzig gangbare Weg)!